
In der Sitzung unserer Abteilung am 25. Juni 2025 stand die aktuelle politische Situation in Polen im Mittelpunkt – insbesondere im Kontext der Wahl des neuen Präsidenten Karol Nawrocki. Wir hatten das große Vergnügen, Herrn Jakub K. Sawicki vom Zentrum für Historische Forschung Berlin als Gastredner begrüßen zu dürfen.
Herr Sawicki bot uns einen fundierten und differenzierten Einblick in die gegenwärtige Lage in Polen. Dabei analysierte er nicht nur die politischen Entwicklungen rund um die Wahl Nawrockis, sondern auch die gesellschaftlichen Dynamiken, die zu seinem Wahlsieg beigetragen haben. Als ein von der Kaczyński Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) aufgestellter Kandidat mit einem Image als parteiloser „Self-Made Man“ gelang es Nawrocki, große Teile der polnischen Wählerschaft anzusprechen – insbesondere jene, die sich von der „politischen Elite“ nicht mehr vertreten fühlen. Interessanterweise werden bei dieser Narration die Jahre 2015 bis 2023, in denen die PiS regierte und bis heute in der Judikative stark vertreten ist, übersehen.
Deutlich wurde dabei vor allem eines: Die polnische Gesellschaft ist tief gespalten. Diese Polarisierung stellt eine große Herausforderung für die amtierende Regierung unter Premierminister Donald Tusk dar. Angesichts der komplexen Kräfteverhältnisse innerhalb des Landes steht seine Regierung vor enormen politischen und gesellschaftlichen Hürden.
Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Sawicki für den spannenden Vortrag und den anregenden Austausch. Die Diskussion hat uns wertvolle Impulse für das Verständnis der aktuellen politischen Entwicklung in Polen gegeben.