Weil wir Deutschland lieben

Veröffentlicht am 24.05.2013 in Bundes-SPD

Seit 150 Jahren streiten Sozialdemokraten für eine sozial gerechte Gesellschaft in unserem Land.

Die SPD ist nicht das Werk himmlischer Mächte, sondern ist von Menschen gemacht. Und das mit allen Konsequenzen.

Die SPD hat nicht immer alles richtig gemacht, aber meistens. Sie musste sich nach dem schrecklichen Zweiten Weltkrieg nicht neu gründen. Sie musste ihren Namen nach der fürchterlichen SED-Diktatur auch nicht ändern.

Sozialdemokraten haben sich im Nachhinein niemals schämen müssen. Aber sie haben sich oftmals fürchten müssen vor dem Zorn der Mächtigen in allen möglichen Systemen, eben weil sie Sozialdemokraten waren.

Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten haben allen Grund, stolz auf sich und ihre Partei zu sein. Aber auch das Land kann voller Stolz auf die Tradition unserer Partei zurückblicken. Deutschland und die SPD - das gehört zusammen.

Das "D" in unserem Parteinamen "SPD" steht für "Deutschland".

150 Jahre SPD sind auch 150 Jahre deutsche Geschichte. Jene 150 Jahre, in denen es die SPD nun schon gibt, stellen auch die schönste Liebeserklärung an unser - darf man das Wort sagen? ist das zu pathetisch? könnte es falsch verstanden werden? - Vaterland dar, die man sich überhaupt vorstellen kann.

Gustav Heinemann hat gesagt, er liebe seine Frau und nicht sein Land. Diese Aussage spricht für ihn. Und für seine Frau. Aber natürlich war er ein Patriot durch und durch, auch wenn er bescheiden war. Selbstverständlich hat er sein Land geliebt, auch wenn er sich umgekehrt der Liebe seines Landes zu ihm selbst nicht immer völlig sicher sein konnte. So ist das nun mal!

Große Gefühle brauchen große Worte. So ist das auch in der Musik. Selbstverständlich lieben Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ihr Land! Soll man sein Land etwa hassen? Die SPD wird Begriffe wie "Heimat", "Vaterland" und auch unsere Fahne "Schwarz-Rot-Gold" nicht irgendwelchen Nazis überlassen, die unser Land an den Abgrund gebracht bzw. im Geschichtsunterricht gepennt haben.

Nö! Die Nazis sollen mal schön bei ihrem hässlichen Hakenkreuz bleiben, der Verbrecherfahne, von der noch heute das Blut feiger Massenmorde tropft. Wir Demokraten verteidigen unser Land indes mit den Farben Schwarz-Rot-Gold, der Fahne der Freiheit; sie soll überall wehen. Die Demokratie lässt sich ihre Symbole nicht nehmen; erst recht nicht von finsteren Gesellen, die diese Symbole missbrauchen wollen, um die Demokratie hintenrum abzuschaffen.

Wenn heute junge Leute in die SPD eintreten, dann tun sie es auch, weil sie wissen, dass die SPD eine Partei mit einer guten Geschichte ist.

Mit dieser Geschichte verbinden sich Namen. Ferdinand Lassalle. August Bebel. Otto Wels. Otto Braun. Rosa Luxemburg. Philipp Scheidemann. Karl Liebknecht. Friedrich Ebert. Hermann Müller. Kurt Eisner. Wilhelm Hoegner. Hans-Jochen Vogel. Regine Hildebrandt. Johannes Rau. Kurt Schumacher.

Und viele mehr, die ich bestimmt vergessen habe, zu erwähnen.

Es entspricht der Lebenserfahrung: Eine Partei, die in der Vergangenheit nie gravierend daneben, aber meistens richtig lag, wird auch in der Zukunft nicht allzu oft gravierend daneben, sondern meistens richtig liegen.

Gerade Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder sind Bundeskanzler, denen Deutschland viel zu verdanken hat. Bei Gerhard Schröder - das muss man akzeptieren - ist es heute noch so, dass in der Partei ihm viele die Agenda 2010 übel nehmen. Jene Agenda, um die alle anderen Länder in der Welt Deutschland beneiden. Es wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die Reform im Großen und Ganzen gut war und dass Sozialdemokraten nicht ständig zu Kreuze kriechen müssen, wenn das Wort "Agenda 2010" erwähnt wird. Da kann man auch schon mal "stehen" und nicken: "Ja! Das war richtig." Aber es ist auch nicht jede Einzelheit in Stein gemeißelt. Besser geht es immer. Das muss auch so.

Gerhard Schröder hat Nein zum Abenteuer im Irak gesagt. Dafür gab es Kritik. Er stand trotzdem dazu. Deshalb ist er ein Held. Kein deutscher Soldat ist im Irak gefallen. Wir haben unsere Staatsbürger in Uniform nicht verheizt.

Die SPD-Abteilung 01 Niederschönhausen-Blankenfelde hatte im Jahr 2005 - dem Jahr, als Gerhard Schröder und Franz Müntefering nach der verloreren NRW-Wahl umgehend "Neuwahlen im Herbst" für den Deutschen Bundestag ausriefen - mit die größten Neueintritte (abgesehen von 1989 / 1990). Das zeigt auch, dass die Innenwahrnehmung der Partei sich mitunter deutlich von der Wahrnehmung im Volk unterscheidet.

150 Jahre Geschichte sind auch Geschichte. Wer schert uns der alte Käse? Vergangenheit! Geschehen, gewesen - vergessen. Aber diese 150 Jahre waren noch längst nicht das Ganze. Es geht weiter. Die SPD wird gebraucht. Sie ist da.

Bei der Gelegenheit fällt mir ein - ich weiß gar nicht, wie ich so plötzlich darauf komme -, dass eines meiner Lieblings-"Alex-Taschenbücher" in der DDR "Ich bin die Nele" von Peter Brock war (mit Illustrationen von Karl Schrader). Das Buch spukt hier noch irgendwo rum. Ich weiß gar nicht mehr, worum es da ging. Ich sollte es mal wieder lesen.

Thomas Gottschalk sagte dem "Spiegel" mit Blick auf die SPD: "Irgendwie drängt sich mir der Vergleich zu einem Traditionsverein auf, der immer oben mitspielt, aber (obwohl sportlich sauber und menschlich edel) die Meisterschaft deswegen nie packt, weil er das Finale fast regelmäßig vergeigt."

Bernhard Vogel fomuliert im selben "Spiegel" gleich "Zehn Gründe, warum es die SPD braucht". Wohlgemerkt: Bernhard Vogel ist Mitglied der CDU, der zweiten deutschen Volkspartei! Sein erster Grund ist: "Weil sie als eine der beiden Volksparteien seit 1945 wesentlich zur Stabilität unseres demokratischen Gemeinwesens beigetragen hat."

Bei allem Stolz auf den großartigen Willy Brandt sei an dieser Stelle auch dem genialen, wenn auch eher im Hintergrund agierenden Egon Bahr gedankt, dem Konzipierer der Neuen Ostpolitik. Er ist ein Wegbereiter der Deutschen Einheit.

Manchmal muss man Größe zeigen und gönnen können. Ich kann Oskar Lafontaine nicht böse sein. Die Partei wird akzeptieren müssen, dass er sich damals so verhalten hat, wie er sich verhalten hat. Das habe ich nicht gut gefunden. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Oskar Lafontaine ein sympathischer Mensch ist oder nur in sich selbst verliebt. Aber wir sollten ihn auch nicht verteufeln. Wo sind wir denn! Was zählt unser heutiger Groll in 100 Jahren? Auch Oskar Lafontaine ist ein Mensch und Teil unserer Geschichte.

Denn - wie sagte schon Wolfgang Thierse einst zu Nicol Ljubic -: "Wer Kritik nicht verträgt, soll lieber Gedichte schreiben!" - Der Satz gilt bis heute.

Goethe oder Schiller? - Schiller! Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.

Luise Nordhold ist 96 Jahre alt. Sie bringt 82 Jahre SPD-Mitgliedschaft auf die Beine. Sie beklagt in der Berliner Zeitung völlig zu Recht: "Früher war die Partei wie eine Familie, heute geht es um Macht, um Posten. Schade."
 
Das SPD-Neumitglied Victoria Hiepe - sie ist 16 Jahre alt und erst seit drei Wochen in unserer Partei mit dabei - wird in der Berliner Zeitung mit den Worten zitiert: "Diese Partei ist voller Kraft, man muss sie nur nutzen!"
 
Tja, bleibt für mich die Frage: "Würdest du mit deinem Wissen von heute - du kennst den Laden ja nun schon eine Weile von innen - wieder in die SPD eintreten?" Meine Antwort ist: "Ja!" - Ohne zu zögern. Ohne Wenn und Aber.
 
"Aber das ist eine andere Geschichte", würde Michael Ende sagen, "und soll ein andermal erzählt werden."
 

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